Hexenprozesse als eine Folge der kleinen Eiszeit

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Hexenprozesse, die wir gerne im Mittelalter ansiedeln, fanden eigentlich in der beginnenden Neuzeit, bis hinein ins 18. Jahrhundert statt und verschwanden erst als die weltliche Macht der Kirche die Gerichtsbarkeit entzog.

Die Verfolgung von Hexen und Werwölfen war ein Folge der sehr schlechten Lebensumstände nach dem 30-jährigen Krieg, die durch eine Klimaverschlechterung mit Schneestürmen bis in den Juni einher gingen („Kleine Eiszeit“). Man meinte, dass diese Umstände von Gott so gewollt waren und die Prediger zeigten einen Zusammenhang auf zwischen dem Verhalten der Menschen und den schlechten Lebensumständen und riefen dazu auf, dass die Menschen sich bessern sollten. Statt der Suche nach einer kollektiven Schuld fand man einen Ausweg in der Isolation Einzelner in Verbindung mit uralten Hexenglauben und machte diese Randgruppen für alles verantwortlich.

  • 75% der Verurteilten waren Frauen (Ausnahme: Island, dort waren es nur 25%)
  • man spricht von 60.000 Opfern
  • das Zentrum der Verfolgungen war das lutherisch-calvinistische Gebiet in Deutschland und in der Schweiz
  • die grausamsten Verfolgungen fanden in der Schweiz statt, Calvin selbst sprach sich für diese Prozesse aus. Es gab sogar Prozesse gegen Kinder, die teilweise von Kirchengesandten abgewendet werden konnten
  • die Kirchenführung in Rom war ein Gegner dieser Verfolgungen
  • Italien, Spanien waren von dieser Bewegung eher ausgenommen
  • in Russland fanden überhaupt keine solchen Prozesse statt
  • in Amerika sind nur punktuelle Prozesse bekannt, die aber die europäischen Ausmaße nie erreichen
  • die Prozesse hatten auch (oder vielleicht überwiegend) finanzielle Gründe. Überwiegend waren ältere Frauen, Witwen Opfer der Verfolgung und deren Besitz fiel in die Hände der jeweiligen Gerichtsbarkeit
  • die Opfer hatten keine Chance. Es gab (nur ein Beispiel) die Nadelprobe, bei dem der Beschuldigte mit einer Nadel in ein Muttermal gestochen wurde. Muttermale galten als Symbole des Teufels. Wenn kein Blut hervorquoll, war das ein Beweis, dass der Beschuldigte mit dem Teufel zu tun hatte. Funde zeigen aber, dass die verwendeten Nadeln bei Druck in einer Hülse verschwanden und daher der Nachweis als erbracht galt.
  • im Zuge einer Verurteilung kam es zu einer Lawine weiterer Prozesse, weil das Opfer in der Folter auch andere Personen als Hexen bezeichnete

Erst als man sah, dass sich diese Vergeltungsaktionen alsbald gegen seine eigenen Protagonisten richtete kam es zu einer Wende

In dieser Zeit begann sich auch die Idee der Aufklärung zu verbreiten und vielleicht gerade durch das Ansehen dieser Gräuel, d.h. Aufklärung könnte man als eine Gegenbewegung sehen, die um so stärker war, je intensiver die Hexenverfolgungen waren. Wo keine Hexenverfolgungen stattfanden, gab es auch keinen so deutlichen Anlass zur Aufklärungsbewegung (Amerika, Russland). Wenn man daher heute von anderen Kulturen einen Prozess der Aufklärung verlangt, etwa in der Islamischen Welt, dann verlangt man etwas Unmögliches, denn so, wie es im Europa der Neuzeit war, kann man es nicht auf heutige Verhältnisse umlegen. Es sei denn, die Islamische Welt erkennt den Terrorismus als eine ähnliche Geißel an, wie die Christenwelt die Hexenverfolgungen und entwickelt daraus eine ähnliche Gegenbewegung wie seinerzeit die Aufklärer in Europa.