Die drei Frauen, meine Großmutter Julie, meine Mutter und meine Tante Hanni(Johanna) saßen oft beisammen und übten sich im „Tischerlrucken“, einer Art spiritistischen Sitzung, die ich auch einige Male sowohl in Wien als auch in Kritzendorf miterlebt habe.

Man legt die Hände auf einen Tisch (mein Großvater hat dafür einen besonders leichten, hohen, mit Holznägel zusammengehaltenen Tisch gefertigt) und stellt dem Tisch Fragen, die der Tisch mit Klopfzeichen beantworten soll, wie zum Beispiel „einmal klopfen“=ja, „zweimal klopfen“=nein.

Zuerst wurde der Tisch gefragt, ob er „da“ sei und ein Neigen des Tisches war ein klares „ja“.

Es wurden auch „Geheimfragen“ gestellt. Das waren von einer Person gedachte Fragen, auf die der Tisch geantwortet hat.

Der Tisch konnte auf Kommando auch „tanzen“; er drehte sich dann an einem Bein im Kreis und man musste ihm folgen.

Eine kuriose Geschichte wurde immer wieder aus den Kriegstagen erzählt. Eine dieser Fragen von Johanna an diesem Abend war „In wie vielen Jahren kommt Vickerl (Ludwig) nach Hause“. Der Tisch bewegte sich nicht. Die Frage wurde geändert: „In wie vielen Monaten kommt Vickerl nach Hause“. Der Tisch bewegte sich unmerklich. Als schließlich nach „Tagen“ gefragt wurde, bewegte sich der Tisch deutlich ein Mal. Die Frauen haben das nicht geglaubt, es ist aber eingetreten, Vickerl hat überraschend Heimaturlaub bekommen und kam tatsächlich am nächsten Tag ins Haus.

Und wohin neigte sich der Tisch? Normalerweise zu meiner Mutter und wenn die nicht dabei war, dann zu meiner Großmutter.

Wie funktioniert das?

Sicher ist, dass sich der Tisch nicht bewegt, wenn niemand die Hände auflegt.

Sicher ist, dass sich der Tisch nicht bewegt, wenn die beteiligten Personen das nicht wollen und ablehnen.

Sicher ist, dass es Kräfte waren, die den Tisch bewegt haben.

Sicher ist, dass die Kräfte von den Händen ausgingen.

Sicher ist, dass keine der Frauen den Tisch wissentlich bewegt hat.

Sicher ist, dass die Frauen wollten, dass sich der Tisch bewegt.

Sicher ist auch, dass zwischen dem, was der Tisch „sagt“ und dem, was sich jene Frau wünscht, zu der sich der Tisch neigt, ein Zusammenhang besteht.

Der Rest sind unwillkürliche Bewegungen der Hände (Mikrobewegungen der Muskeln), die tatsächlich bestehen und von allen wahrgenommen werden und die unwillkürlich dazu führen, dass alle dasselbe tun, obwohl jeder einzelne meint, nichts dazu beizutragen.

Es ist auffällig, dass mit zunehmendem Realismus der Beteiligten, die Bereitschaft zur Teilnahme an dieser „Sitzung“ abnimmt. Männer waren eher abgeneigt. Einfache Gemüter konnte man eher begeistern.

Meine Mutter sagte, dass der Tisch immer das antworten würde, was sie wünscht dass er antwortet.

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