In meiner Famile beherrschte man eine Sprache, die man in den Zeiten von Böhm/Farkas/Waldbrunn am ehesten in Texten des Kabaretts fand: das Kuchl-Böhmisch. Eine sowohl für Deutsche aber auch für Tschechen unverständliche Mischung der beiden Sprachen.

„klopfovat tepichy na gonku“ heißt zum Beispiel „Teppiche klopfen am Gang“, ein für Tschechen völlig unverständlicher Satz, der nur tschechisch klingt und nur unter Wiener Tschechen verstanden wurde. Der Satz ist mir deshalb so in Erinnerung geblieben, weil das eben verboten war, die Teppiche am Gang zu klopfen. Dazu sollte man „do Hofu“ gehen, was „in den Hof“ bedeutet; ebenfalls für Tschechen völlig unverständlich, denn dort hieße es „do dvoru“.

Dass mein eigenes Tschechisch auch aus diesem Kauderwelsch bestand, wurde mir klar, als ich etwa im Alter von 17 Jahren in der Slowakei einen ein-monatigen Urlaub bei Familie ‚Hradil‘ verbrachte. Ich sprach von einem „seslík“, was aber niemand verstand. Ein Sessel heißt nämlich auf Tschechisch „židle“.

Was war passiert? Das deutsche „Sessel“ wurde mit der tschechischen Endung „ík“ verbunden und daraus wurde „seslík“.

Und von diesen Wörtern gab es in der Alltagssprache sehr viele.

Unvergessen sind die zahllosen Szenen von Max Böhm, der selbst aus Reichenberg (Liberec) stammte und genau dieses Idiom perfekt beherrschte.