Auf der Simmeringer Had…

Gestern

Während meiner Schulzeit wohnte ich in Simmering, in der Lorystraße 17 und am Schulweg in die Gottschalkgasse sah ich das Mosaik an der Ecke Gottschalkgasse/Lorystraße wohl täglich. Was genau damit gemeint war, war mir weniger bewusst und wenn auch, war es nicht wichtig. Jedenfalls wird häufig nur die die erste Zeile der ersten Strophe eines Spottlieds aus dem 19. Jahrhundert wiedergegeben:

Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht

Aber auch auf der Simmeringer Haide war dieses Gedicht verewigt:

Heute

Heute wohne ich im 10,. Bezirk und bei unseren Bezirkswanderungen ist mir das Mosaik am Haus Ettenreichgasse 22 aufgefallen, das eine späte Erklärung für den Reim in Simmering darstellt.

Das Attentat

Der Schneider hieß János Libényi und seine Abneigung gegen die Habsburger, die 1848 die Revolution in Ungarn niedergeschlagen haben, teilten wohl auch noch viele andere Ungarn. Am 18. Februar 1853 nutzte er die zufällige Anwesenheit von Kaiser Franz Josef auf der Kärntnertor-Bastei und versuchte, ihn mit einem Küchenmesser zu ermorden. Der kaiserliche Adjutant Graf O’Donnell und der ebenfalls zufällig anwesende Fleischermeister Josef Ettenreich haben das Attentat vereitelt.

Attentat auf Kaiser Franz Joseph I., rechts Josef Ettenreich (Bild Wikipiedia)

Votivkirche

Eine weitere Folge des Attentats war die Errichtung der Votivkirche vor dem Schottentor.

Das Gedicht

Anfang des 19. Jahrhunderts verfasste Johann Nestroy das Theaterstück „3o Jahre aus dem Leben eines Lumpen“, und aus diesem Theaterstück stammt ein Couplet, das nur geringfügig verändert auf das Attentat zugeschnitten wurde:

Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht,
es g’schicht ihm schon recht, warum sticht er so schlecht.

Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht,
mit der Nadel samt dem Öhr, samt dem Zwirn und der Scher’.

Auf der Simmeringer Had’, hat’s an Schneider verwaht,
allen sei es a Lehr, er lebt nimmermehr.

Und Leut’ln hurcht’s auf, der Wind hört schon auf,
gang er allerweil so furt, war ka Schneider mehr durt.

Cleopatras Nose

Kleopatras Nase hat – ebenso wie beliebig viele andere Kleinigkeiten – in der Geschichte eine ähnliche Bedeutung wie der berühmte „Flügelschlag eines Schmetterlings“ in der Chaostheorie, gemäß dem Motto „Kleine Ursachen, große Wirkungen“. Es geht also um die Frage, wie sich die Geschichte entwickelt hätte, wenn wenn der ungarische Schneider erfolgreich gewesen wäre. Wenn zum Beispiel der Vater von Adolf Hitler sich nicht von „Schicklgruber“ auf „Hitler“ umbenannt hätte oder wenn Adolf in der Wiener Kunstakademie anerkannt worden wäre. Oder wenn Kleopatra den Marcus Antonius nicht so beeindruckt hätte.

Was immer sich ereignet, es könnte auch anders gekommen sein. Besonders eindrucksvoll kann man das bei den vielen Unwägbarkeiten eines Fußballspiels beobachten.

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