Das Jahr 2020 wird uns allen als das „Corona-Jahr“ in Erinnerung bleiben. Für mich bedeutete es gleichzeitig einen gravierenden Einschnitt in der Lebensqualität.

Zuerst eine Beobachtung, die mich schon jahrelang verfolgt, nämlich eine stetige Gewichtszunahme von etwa 1,5 kg pro Jahr. Könnte altersbedingt sein, widerspricht aber unserer eher bescheidenen Lebensweise und der regelmäßigen Bewegung. Der Grund dafür war, dass die Lymphknoten ihre Aufgabe, der Verteilung von Flüssigkeiten im Körper nicht merh richtig nachkommen konnten und Flüssigkeit einfach irgendwo im Bauch abgelagert haben, nur nicht in der Niere. Die Folge: Gewichtszunahme; nicht unbedingt Fett sondern Flüssigkeit.

Bis zum Sommer fühlte ich mich gesund wie sich eben ein 71-jähriger gesund fühlen kann. Dann kam der Juli und bisher unbekannte Beschwerden. Einerseits eine Atemnot und anderseits Bauchschmerzen. Es stellte ich heraus, dass ich drei unabhängige Erkrankungen habe:

  1. seit 3 Jahren ein sich ständig verschlechterndes Blutbild ohne erkennbare Ursache (ICUS); das ist die Ursache für die Atemnot (und auch für starke Verkühlungen), weil sowohl weiße als auch rote Blutkörperchen nicht in ausreichender Zahl gebildet werden. ICUS wird in Zusammenhang mit Leukämie erwähnt.
  2. Prostatakrebs (damit könnte man leben, sagt mein Urologe)
  3. Lymphknotenkrebs (wurde eher nebenbei entdeckt, als man den Prostatakrebs untersuchen wollte).

Ins Krankenhaus kam ich mit Diagnose 2, eingewiesen durch meinen Urologen und wurde dort gleich behalten. Man hat nämlich einen Lymphknotenkrebs diagnostiziert, Gewebsproben entnommen und eine Chemotherapie begann ohne Verzögerung. Weil die extrem vergrößerten Lymphknoten auch auf den Harnleiter drückten, drohten die Nieren zu versagen und man plante schon einen künstlichen Nierenausgang. Doch da bereits der ersten Chemo-Zyklus eine Verkleinerung der Lymphknoten bewirkt hat, wurde mir dieser Ausgang erspart.

Meine Chemo bestand insgesamt aus 6 Zyklen. Ein Zyklus dauerte 3 Wochen (= 1 Woche Krankenhaus, 2 Wochen zu Hause). Den ersten Abschnitt eines Zyklus empfand ich – bedingt durch Cortison – sehr euphorisch (alles geht flott von der Hand, man möchte der Welt einen Haxn ausreißen). Aber danach kommt aber ein ziemlicher Rückfall und man landet zumindest 2-3 Tage im Bett und kann nichts machen. Bis zum Ende dieser drei Wochen erholt man sich wieder und freut sich geradezu auf den nächsten Zyklus, weil man ja dem Ende näher kommt.

So verliefen die ersten vier Zyklen.

Beim fünften Zyklus aber war der Rückfall massiv, ich lag vier Tage fast bewusstlos und träumend im Bett. Schließlich wandte ich mich an das Spital. Man hat mich sofort aufgenommen und einer einwöchigen Intensivbehandlung unterzogen, mit dem Ziel der Verbesserung des Blutbildes (Krankheitsbild 1). Am 24.12. hat man mich nach Hause entlassen. Mein Allgemeinzustand war – und ist noch immer – sehr schlecht. Müdigkeit, ein Muskel am Oberschenkel hat sich verabschiedet.

Dass ich Hämorrhoiden habe, das ist schon lange bekannt, machte aber bisher keinerlei Beschwerden. Bis zu diesem Krankenhausaufenthalt. Liegen ist gut, sitzen sehr beschwerlich. Es dürfte an der Chemie des Stuhls liegen, die sich durch die Chemo stark verändert hat und diese Beschwerden verursacht.

Das Hauptproblem ist die Grunderkrankung „schlechtes Blutbild“. Bei einem normalen Blutbild verschlechtern sich durch die Chemo die Blutwerte – aber nicht gefährlich. Bei mir war das Blutbild schon zu Beginn schlecht und irgendwann – eben beim 5. Zyklus wurde es gefährlich. Nur zu Illustration: ich habe 6 Bluttransfusionen bekommen, je 3 auf jeder Seite.

Am Montag 4.1. geht es zum 6. und letzten Chemo-Zyklus, und man wird die Dosis auf 75% reduzieren, weil der 5. Zyklus so problematisch verlaufen ist.

Euphorie-1

Jetzt noch die Geschichte in der Geschichte. Mein subjektives Erleben schwankte von sehr niedergeschlagen bis zu extrem euphorisch, zum Beispiel als die erste Chemo bereits die Lymphknoten verkleinert hat. Ich hatte meinen Laptop im Spital, langweilig war mir nicht.

Wir planen schon seit zwei Jahren den Ankauf eines Elektroautos. Und in dieser ersten Euphoriewelle – von der ich damals nicht wusste, dass sie cortison-bedingt ist – habe ich nach vielen Stunden Video-Studium ein Elektroauto ausgewählt, einen VW iD.3 – und gleich bestellt.

Im November kam dann eine Psychologin auf mich zu und warnte mich von unüberlegten Geldausgaben während der Chemo – zu spät. Am 8.1. kommt das Elektromobil. Ich sollte dem Krankenhaus eine Rechnung schicken, weil sie mir das zu spät gesagt haben:-)

Euphorie-2

Diese Chemo war wie eine Berg- und Talfahrt. Der Gefühle, der Arbeitsfähigkeit, der Müdigkeit, des Optimismus… Um etwas zu erledigen, war es notwendig, die cortison-dominierten ersten Tage nach der Chemo zu nutzen, danach kam eine Art Zusammenbruch.

Die mich näher kennen, wissen, dass ich vier Mal pro Jahr eine Computer-Zeitung verfasse (die PCNEWS). Die dritte Ausgabe konnte ich noch im August, vor meinem dreiwöchigen Erstaufenthalt, fertigen. Das Problem war die vierte Ausgabe. Glücklicherweise war die Phase der arbeitsamen Cortison-Phase im zweiten Chemo-Zyklus ausreichend lang, dass sich die Herstellung des Layouts ausging und ich die Vorlage in die Druckerei senden konnte. Bereits die Erstellung der Versendedaten bereitete mir Schwierigkeiten, aber schließlich ist sich alles ausgegangen. Danach kam ich in den dritten Chemo-Zyklus, nach dessen Ende – wieder in der durch Cortison erzeugten Hochstimmung – ich punktgenau die Ausgabe ganz ohne Corona-Test aus der Slowakei abholen konnte. Nur ein paar Tage später wäre die Grenze ohne Corona-Test unpassierbar gewesen. Wegen dieser durch die Chemozyklen vorgegebenen Zeitpunkte kam die PCNEWS schon Mitte November und nicht – wie vorgesehen – Anfang Dezember.

Einige erstaunte Rückmeldungen der Leser klangen so wie : „na, so krank kann der Franz nicht sein, wenn er die PCNEWS herstellen kann…“ Nun, dass das möglich war, verdanke ich allein dem Cortison. Andere Dinge, wie zum Beispiel die Pflege des Blogs musste ich zurückstellen.

So unerfreulich für uns alle der Ausfall unserer Clubabende ist, noch schlimmer wäre es gewesen, wenn Corona unser aller Leben nicht abgebremst hätte. Insgesamt also ein eigenartig anmutender Zufall in all der Unerfreulichkeit dieser Tage.

Wie geht es weiter?

Nun, ich konsumiere gerade den 6. Chemozyklus und eigentlich ist die Chemo-Thrapie zu Ende. Doch ist natürlich eine Kontrolle der Lymphknoten nötig und die beginnt in genau 14 Tagen. Dann wird von der Hausärztin ein besonderer Blutbefund erstellt. Nach weiteren 14 Tagen wird in der Rudolfstiftung (Klinik Landstraße) – basierend auf den Daten des Blubefunds – eine Computer-Tomographie mit einem radioaktiven Kontrastmittel erstellt, die es erlaubt, die Größe der jetzt hoffentlich verkleinerten Lymphknoten zu bestimmen. Danach geht es wieder in KFJ zu einem Aufpäppeln der weißen Blutkörperchen und eine Besprechung des CT-Ergebnisses. Vermutlich wird diese Prozedur nach einigen Monaten wiederholt werden müssen, und erst dann, wird man sehen könne, ob der Daumen

  • nach oben zeigt (kein weiteres Wachstum der Lymphknoten),
  • zur Seite zeigt (geringes Wachstum der Lymphknoten, also etwa ein chronischer Verlauf, der durch unterstützende Chemos in längeren Abständen stabilisiert werden kann) oder
  • nach unten zeigt (starkes Wachstum der Lymphknoten, mit schlechter weiterer Prognose).

Niemand weiß, was schließlich herauskommt. Die von Oberärzten genannte Prognose liegt bei 80% auf „kein Wachstum“. Aber frag‘ einer einen Fußballtrainer, wie er schätzt, dass das jeweils nächste Spiel ausgeht. Er strotzt vor Optimismus, den er auch an seine Spieler weitergeben will. So scheinen auch die Ärzte ihre Patienten motivieren zu wollen, indem sie ihnen die jeweiligen statistischen Werte nennen. Verlieren kann man jedes Spiel. Nur, im Fußball kann man es wiederholen…

1. 
In Gumpendorf drunt auf ein Eck Numm’ro zwa
steht a dreistöckig’s Haus und das g’hört dem Papa,
in ein’ Zimmer da drinn’ steht a Kassa allan,
den Schlüssel dazu den hat die Frau Mama.
Drum fehlt uns a ’s ganze Jahr niemals an Geld,
um dös zu verputzen san mir auf der Welt;
wann von arbeiten g’redt wird, da kieg’n ma an Grant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant.

2. 
In der Schul’ schon war’n wir a paar hautschlechte Buab’n,
hab’n niamals an G’spaß und a Gaude verdorb’n.
Nur der Lehrer hat g’sagt: „Mit eng zwa is‘ a Kreuz,
aus a paar solche Eseln wird niemals was G’scheit’s.“
Das hat er ganz groß auf die Tafel hing’schrieb’n,
und daß er net blamiert is‘, so san ma ’s a bliebn.
G’lernt hab’n ma nix aber mir san arrogant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant.

3. 
Bei die Maderln san mir allen andern voran,
weil kaner wia mir soviel ausgeb’n kann,
denn das Geld is’ ja doch nur zum Anbringen da,
drum sagt uns a jede auf jeden Fall „Ja!“.
Mir leb’n wia die Fürsten, hau’n um mit dem Geld,
und uns is’ das wurscht, wann ’s der Mama dann fehlt!
So wird erst das Leben für uns interessant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant.

4. 
A Schiller, a Goethe war niemals im Haus,
dö kennen ma bloß vom Figurimann aus.
In der Geographie wiss’n ma net bis Tirol,
dafür aber spiel’n ma sehr gut Karambol.
A Theater is’ für uns d ’höchste Fadess,
von die Tanzschul’n jedoch wiss’n ma jede Adress.
Da brauch ma kan Geist und san doch elegant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant.

5. 
Im G’wandl, im feschen san ma umg’stiefelt gern,
hab’n g’laubt, a jed’s Madl muß wahnsinnig wer’n.
Mir hab’n ane ang’redt und dö sagt ganz frei:
„Ös Sagschartenwursteln, jetzt draht’s eng do glei!
A paar solche Haub’nstöck’ hab i a no net g’seg’n“.
Auf des san ma dag’standen, beide verleg’n.
Was? Wursteln und Haub’nstöck in so einen G’wand,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant.

6. 
Auf der Straß’n erst unlängst, was is uns da g’scheg’n?
A Mann mit an Besen schreit: „Servus Kolleg’n!“
„Wieso denn Kolleg’n?“ hab’n ma g’rufn aufgebracht,
doch er hat d’rauf g’sagt: „I hab’s g’rad a so g’macht!
Das Geld verdraht und hab’ g’laubt ’s wird gar net gar,
bis der letzte Knopf hin war, in a drei a vier Jahr,
jetzt kehr’ i die Straß’n , das is do’ schenant,
und mei Vater war a Hausherr und a Seidenfabrikant!
Und mei Vater war a Hausherr und a Seidenfabrikant!“

7. 
Auch beim Militär war’n wir a ganz kurze Zeit,
doch hat uns des Exerziern wirklich net g’freut.
Der Korporal hat uns g’fragt, und die Frag war net schwer;
in wieviele Teile zerfällt das Gewehr?
Da wußten wir beide die Antwort sofurt:
„Das kommt ganz drauf an, wie ma ’s hinschmeißen tuat.“
Für uns zwa is die Dummheit eb’n auch keine Schand’,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is a Hausherr und a Seidenfabrikant.

8. 
Die G’schicht is net wahr, es is’ alles nur Schmäh,
doch Aufschneiden war unser Faible seit je.
Von an Haus mit drei Stöck’ war bei uns doch ka Spur,
in an Kabinettl g’haust hab’n ma nur.
Vom Vater hab’n d’ Leut g’sagt, er spinnt manchesmal,
doch sicher ka Seiden, na, na, auf kan Fall.
Es is’ zwar unser Wieg’n am Brillantengrund g’lahnt,
doch unser Vater war ka Hausherr und ka Seidenfabrikant,
doch unser Vater war ka Hausherr und ka Seidenfabrikant.

T: Wilhelm Wiesberg, M: Johann Sioly, Wien um 1880.

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