Wie können wir Gott erkennen? Durch die „Schöpfung“? Wenn er omnipräsent ist, allmächtig, wie könnte er sich uns besser darstellen als durch den Zufall?

Wenn man einen Menschen auffordert, einen Würfel zu imitieren und „Kopf“ und „Adler“ in einer zufälligen Reihenfolge zu nennen, sagen wir 100 Mal (und notiert diese Folge) und danach würfelt man wirklich oder man lässt einen Zufallsgenerator dasselbe tun (und notiert auch diese Folge), dann stellt man etwas Verblüffendes fest:

Man sieht auf einen Blick, welche der beiden Folgen der Mensch angesagt hat und welche die zufällige ist. Der Grund: der Mensch kann sich einfach nicht vorstellen, wie oft hintereinander „Adler“ (oder „Kopf“) kommen kann, wenn es sich um realen Zufall handelt.

Umgekehrt erscheinen deshalb dem Menschen bereits drei aufeinanderfolgende 6er beim Würfeln als ein „Wink von oben“, ganz zu schweigen davon, wenn mehrere Male eine kuriose Zahl in Erscheinung tritt. Und das kommt aus einer Sehnsucht nach Symmetrie, Regelmäßigkeit und Wiederkehr und das wieder kommt einfach aus unserem beschränkten Verstand, der sich in diesen vorhersagbaren Strukturen besser zurechtfindet als im Chaos.

Die Religionen vermuten Gott in der Regelmäßigkeit und Ordnung und nennen es „Schöpfung“.

Meine Theorie ist, dass es genau umgekehrt ist, dass nämlich der Zufall in der Welt ein Bote aus einer uns nicht bekannten Welt ist, denn er ist für uns durch nichts vorhersagbar und wir kennen seinen Ursprung nicht. Was allein wir wissen, dass er als einzige kosmische Größe gewissermaßen allmächtig ist, so, wie es religiöse Menschen gerne formulieren.

Warum soll das, was ohnehin durch den menschlichen Verstand erkennbar ist, göttlich sein? Vielmehr sollte es doch etwas sein, das wir gerade nicht verstehen können. Und das wäre der Zufall.

Die Menschen sind durch die Ordnung der Welt beeindruckt und sehen darin einen Gottesbeweis. Diese Prägung durch die religiösen Aussagen ist so stark, dass sogar ganz große Kaliber wie Newton und Einstein entgegen ihrer eigenen Erkenntnisse die Determiniertheit der Welt durch göttliches Wirken stärker bewerteten als ihre eigenen Erkenntnisse.

Newton war von der gegebenen Statik des Universums so stark gefangen, dass er die Konsequenzen seiner Erkenntnisse über die Gravitation auf das Universum negiert oder darüber nicht erkannt hat; bewusst oder unbewusst. Denn eigentlich hätte schon er sehen müssen, dass das Universum wegen der Gravitation keineswegs statisch sein kann und die von ihm erkannten Kräfte dazu führen müssen, dass die Sterne einander anziehen und alles in sich zusammenstützen müsste.

Einstein wieder hat auf der damals niedersten Stufe den zufälligen Zerfall beobachtet und weigerte sich anzuerkennen, dass „Gott würfelt“.

Nach meiner Ansicht ist die religiöse Prägung bei beiden noch so groß, dass sie die Welt und die Harmonie als das Göttliche erkennen und nicht gerade das, was überhaupt unsere Existenz ermöglicht: den Zufall.

Die Macht des Zufalls ist so groß, dass es unser Vorstellungskraft sprengt. Allmacht sozusagen.

Wir glauben an den Allmächtigen…