„Ich war ja skeptisch.
Eine „Krankheit“, bei der 95% keine Symptome,
aber hinterher AK haben,
4% nur vorübergehende Grippe-Symptome zeigen,
1% schwer erkrankt und
0.02-0,2% versterben,
ist doch kein Grund, Sorge zu haben.


Hab mich dann trotzdem gegen Polio impfen lassen.“

Dr. Philipp S. Holstein, Autor (gepostet von mimikama.at in Facebook)

Mein Klassenvorstand gehörte zu diesen 1%, die schwer an Kinderlähmung erkrankt sind. In seiner Jugend gab es die praktische Schluckimpfung noch nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass Menschen sich gegen die kollektive Schluckimpfung gegen Kinderlähmung so vehement zur Wehr gesetzt hätten wie das heute gegen die Corona-Impfung der Fall ist. Heute kann man sich einfach gegen das Risiko einer schweren Erkrankung schützen – und viele tun es nicht.

Seien wir ehrlich: wir müssen praktisch alles glauben, und unsere Welt ist voll von „Wahrheiten“ aus denen man seinen Glauben konstruieren kann. Der Glaube an den Nutzen einer Impfung scheint denselben Wert zu haben wie sein Gegenteil.

Aber die Menschheit hat eine Methode entwickelt, mit der Erkenntnisgewinn erreicht wird. Diese Methode, die Wissenschaft, ist die Grundlage für das Funktionieren unserer modernen Welt. Jeder, der eines dieser modernen Wunder wie ein Handy benutzt, kann es gewissermaßen „begreifen“, dass Wissenschaft funktioniert.

Auch an die Ergebnisse der Wissenschaft müssen wir glauben, weil wir sie nicht selbst erarbeiten. Aber dieser Glaube hat ein weltweites Kontrollsystem im Hintergrund, eine Art Wettbewerb um die beste Theorie, und so wie im Sport Weltmeister ermittelt werden, entsteht in diesem wissenschaftlichen Wettbewerbssystem der Theorien Erkenntnis.

Was allerdings anders ist als ein religiöser Glaube, ist die notwendige Bereitschaft der Gläubigen, eine gewonnene Erkenntnis auch einmal über Bord werfen zu können, wenn sie widerlegt oder überholt wird, so wie ein Weltmeister auch einmal abdanken muss.

Glaube an den Pfadfinder „Wissenschaft“ hat eine andere Qualität als der Glaube an jemandes Meinung, und man sollte dafür auch ein anderes Wort verwenden, weil „Glaube an die Arbeitsweise der Wissenschaft“ in einer Reihe steht mit einem „Glauben an irgendwas“ und dennoch etwas anderes bedeutet und sogar die Unsicherheit miteinschließt.