Wohin zu Weihnachten?

Früher war das keine Frage, damals war das Ziel klar, denn wir besuchten die Eltern.

Aber seit einigen Jahren buchen wir statt einer (Fern-)reise Theater-, Konzert oder Kabarett-Vorstellungen in Wien und Bratislava. Um diese Vorhaben zu koordinieren, gibt es einen Veranstaltungskalender, der die Terminwahl erleichtert, vielleicht kann den jemand brauchen und mitbenutzen:

Ein Highlight im Vorjahr war der Besuch einer Oper in Bratislava (siehe Bild). Heuer gibt es dort am selben Tag „Don Giovanni“. Das lassen wir uns nicht entgehen.

Szene aus „Verkaufte Braut“ in der Oper Bratislava, 27.12.2018

Am 11.5. brach etwa um 10:00 im Wohnbau am Simmeringer Enkplatz ein Brand im Dachstuhl aus, der sich auf den gesamten Wohnblock ausgedehnt hat und erst in den Abendstunden als gelöscht gemeldet wurde. Der Dachstuhl und viele darunter liegenden Wohnungen wurden zerstört.

Als gebürtiger Simmeringer – unsere Wohnung war in der Lorystraße – ist man von einem so tragischen Ereignis besonders betroffen, kennt man doch jeden Winkel und ist Hunderte Male an dieser Häuserfront vorbeigegangen. Man stellt sich die Frage, wie ein so großer Brand entstehen konnte. Ein Feuer am Dach, das kann schon einmal passieren, aber wieso konnte sich das Feuer auf die ganze Anlage ausdehnen? Hier ein Blick auf die Szene:

Wohnhausblock Enkplatz 6-7 nach dem Dachstuhlbrand. Es gibt keine Feuermauern.

Nach meinem Eindruck ist die Bauart dieses Wohnblocks für die große Ausbreitung des Feuers verantwortlich. Und zwar, weil es auf der ganzen Länge des Gebäudes keine bis zum Dach reichende Feuermauer gibt, obwohl es sich um vier oder mehr Stiegen, also eigentlich aneinandergebaut einzelne Gebäude handelt.

Schauen wir einmal auf einen klassischen Dachboden eines Gründerzeithauses:

Dachboden eines Gründerzeithauses mit Feuermauer zum Nachbarhaus.

Jedes einzelstehende Haus hat zu seinen Nachbarn eine bis zum Dachfirst reichende Mauer. Würde in dem hier abgebildeten Dachstuhl ein Brand ausbrechen, gibt es zwar zusätzliches Brennmaterial in Form der hier gelagerten Gegenstände aber das Feuer hätte, wegen der im Hintergrund sichtbaren Mauer, Probleme, auf den benachbarten Dachstuhl überzugreifen.

An dem ersten Bild, das die Häuserzeile mit mindestens vier Stiegen zeigt, gibt es keine solche Feuermauern.

Nach meiner Ansicht handelt es sich hier um einer Art „Sparbauweise“, die die Bauordnung offenbar zulässt oder zumindest zur Bauzeit erlaubt hat. Die im Wiener Wohnungsbau üblichen Stiegen, sehen offensichtlich eine solche Stiege nicht als ein selbständiges Bauwerk und verzichten auf die Vorschrift einer bi zum Dachrand reichenden, durchgehenden Feuermauer.

Link

Die folgende Frage könnte jederzeit in einer Sammlung von Unnützem Wissen sein aber wer weiß, vielleicht ist ja der „kurze Weg“ etwas astronomisches wie zum Beispiel die „dunkle Materie“. Wer aber weiß, wo sich dieses Schild befindet, dem könnte man in einem Quizspiel über die letzten Geheimnisse von Wien den Siegerpreis überreichen.

War ist also der „kurze Weg“ und wo ist dieses Schild angebracht?

Die Antwort in Raten:

Seit nunmehr Jahrzehnten kaufe ich Zahlscheinvordrucke bei Firma printcom. Ich verfolge die Firma geradezu, denn sie hatte früher einen anderen Standort, nämlich beim Gasometer. Heute ist sie in Floridsdorf in der Leopoldauer Straße. Und auch der Name hat sich verändert, man nennt sich kbprintcom. Die Büro- und Fertigungsgebäude wurde von einem Vorbesitzer übernommen und daher passten die Räumlichkeiten nicht ganz zu dem neuen Projekt und dieser Umstand ist auch ein Teil der Lösung.

Normalerweise werden die Produkte über einen Webshop bestellt mit einer kostenpflichtigen Zustellung. Das ist mir aber unangenehm, denn die Chance ist sehr groß, dass ich mir die Sendung dennoch irgendwo in der Pampa abholen muss, weil uns der Zusteller nicht findet (er ist ja nicht der Briefträger der täglich kommt) oder dass wir nicht zu Hause sind. Daher hole ich mir die Sendung lieber ab.

Es ist ja interessant zu sehen, wie man in Transdanubien, oder – wie die Tagespresse anlässlich der Ideen unseres geliebten Bürgermeisters, der die Bezirke anderswie aufteilen will, titelt: „Neustrukturierung fixiert: ‚Häupl präsentiert zukünftige Wiener Bezirke'“ – in Mordor so lebt. Die folgende Skizze stammt von der Tagespresse:

Und auf dem Schild steht „60.,…“ so als wäre es der 60. Bezirk und eine weitere alternative Bezirksaufteilung.

Dieser Ausflug um die Zahlscheinvordrucke führt also in die Leopoldauer Straße 175. Manchmal glaube ich, dass ich einer der ganz wenigen bin, der den dortigen Hausbrauch kennt. Vorbei an den Bürogebäuden, hinauf auf eine Rampe, dann an einer unbeschrifteten Tür klopfen und nach dem vorbereiteten Paket fragen. So war es jedenfalls seit Jahrzehnten, doch heuer ist alles anders, die Vordrucke sind ein paar Räume weiter.

Und am Weg dorthin ist dieses sonderbare Schild, dessen Bedeutung man nur schwer erraten kann, sogar, wenn man davor steht. Es handelt sich um ein Lager- und Fertigungsgebäude und die ursprüngliche Raumanordnung nach der Übernahme durch printcom hatte zur Folge, dass man mit den Paletten einen Umweg zur Laderampe fahren musste.

Direktor Franz hatte die glorreiche Idee, eine Mauer zu schleifen. Er hat damit die Wegstrecke bedeutend verkürzt.

Seine Belegschaft hat es ihm gedankt und ihn zum Erfinder des nunmehr „kurzen Weges“ ernannt und zu seinem 60er dieses Schild geschenkt.

So, jetzt ist das „Geheimnis“ gelüftet. Sowas erlebt man halt nur in „Mordor“.