Vienna Swing Sisters

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… im Schloss Neugebäude in Simmering.

Es geht eine sonderbare Faszination aus von diesem Trio der Andrew Sisters. Ich habe die Originale nie selbst erlebt aber aufgrund der zahlreichen Kopien und Remakes sind diese Lieder unvergesslich. Als Jugendlicher spielte ich mit den Scotties „In The Mood“ und es war mir damals nicht bewusst, dass die Geschichte dieses Lieds weit in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückreicht (ca. 1930) und zuerst durch Glen Miller und später durch die Andrew Sisters ein große Popularität erreicht hat.

Als ich in einer Facebook-Ankündigung von einem Auftritt der Vienna Swing Sisters gehört habe, schlug ich Florian vor, diese Veranstaltung zu besuchen. Es war kalt aber es hat sich ausgezahlt. Leberkässemmel, frische Rohscheiben und einige Sorten Punsch, das war unser Abendessen zu den Klängen der 40er Jahre, veradventlicht durch einige lokale Weihnachtslieder.

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Und sie schafften es gar nicht schlecht, ihren großen Vorbildern zu folgen, Vienna Swing Sisters. Sie sangen alle Gassenhauer aus einer längst vergangenen Zeit. Wir hörten: Bei mir bist Du Schen, Boogie Woogie Bugle Boy, Carmens Boogie, In The Mood, Rum an Coca-Cola uva.

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Welche sind unsere Werte?

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Es ist nicht ganz unpraktisch, sich allgemein anerkannten Regeln zu unterwerfen, denn damit werden Menschen vorhersagbar und wir müssen nicht lange forschen, bis wir die Beweggründe unseres Gegenüber erkannt haben, weil wir davon ausgehen können, dass seine Grundsätze auch die unseren sind.

Allerdings enthalten alle diese Lebensgrundsätze die Gefahr, dass es wegen der Gleichschaltung der Gedanken zu wenig gesellschaftliche Entwicklung gibt. Beispiele finden wir in unserer eigenen Geschichte und in der Entwicklung in anderen Kulturkreisen zur Genüge.

Es erscheint aber trotz aller Ablehnung starrer Regeln in einem menschlichen Entwicklungsprozess nützlich zu sein, seine eigene Haltung zuerst Regeln folgend zu entwickeln, etwas so, wie der Nichtschwimmer mit einer Schwimmreifen beginnt, sich an das freie Schwimmen heranzutasten, bis man schließlich das Korsett der Regeln abwerfen kann, um von Fall zu Fall zu eigenen Schlussfolgerungen zu kommen.

Ohne jede einzelne Regel überprüft zu haben, erscheinen viele auch fragwürdig zu sein, zum Beispiel die hier: „Du sollst nicht glauben“, auch wenn hier gemeint sein dürfte, dass man dem von Religionen geforderten Glauben nicht folgen soll, weil mit ganz wenigen Ausnahmen der konkreten persönlichen Erfahrung eigentlich immer auf das Für-Wahr-halten der Aussagen anderer angewiesen sind, wir ihnen also vertrauen müssen, auch in der Wissenschaft.

Die hier zusammengestellten „Regelwerke“ (zusammengetragen aus verschiedenen Internet-Quellen) sind also Angebote für alle, denen der archaisch-religiöse Einheitsbrei ein bisschen unzeitgemäß erscheint.

1 Adjunas 10 neue Gebote

  1. Denke!
  2. Schade niemandem und nichts, nur den Schädlingen!
  3. Alles, was nicht schadet, ist erlaubt.
  4. Kümmere Dich nicht um Dinge, die niemandem schaden, denn dann schadest Du anderen.
  5. Die Menschen sind nicht gleich, aber jeder hat gleiche Rechte.
  6. Jeder Mensch trägt die Verantwortung für sich und sein eigenes Handeln.
  7. Jedem gehört, was er sich erarbeitet hat, geschenkt bekommen oder geerbt hat.
  8. Seid nicht neidisch!
  9. Ein Mensch gehört niemandem, außer sich selbst.
  10. Es gibt keine Pflichten, außer den Pflichten, die man freiwillig eingegangen ist.

2 Gebote der Moderne

  1. Behandle jeden Menschen so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.
  2. Lüge nicht.
  3. Hintergehe Deine Freunde und Verwandte nicht.
  4. Morde nicht und füge keinem Menschen allgemein körperlichen Schaden zu.
  5. Sei nett zu Tieren.
  6. Denke, aber wenn es an der Zeit ist zu handeln, höre auf zu denken.
  7. Du bist nicht auf der Welt, um so zu sein wie andere Dich gerne hätten; also mach‘ aus Dir und Deinem Leben was Du möchtest.
  8. Wenn einem die Scheiße bis zum Hals steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen.

3 Die Zehn Angebote des evolutionären Humanismus

  1. Diene weder fremden noch heimischen Göttern, sondern dem großen Ideal der Ethik, das Leid in der Welt zu mindern! Wer Wissenschaft, Philosophie und Kunst besitzt, braucht keine Religion.
  2. Verhalte Dich fair gegenüber Deinem Nächsten und Deinem Fernsten.
  3. Habe keine Angst vor Autoritäten, sondern den Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.
  4. Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen. Ethisches Handeln bedeutet keineswegs, blind irgendwelchen moralischen Geboten oder Verboten zu folgen.
  5. Befreie Dich von der Unart des Moralisierens.
  6. Immunisiere Dich nicht gegen Kritik
  7. Sei Dir Deiner Sache nicht allzu sicher. Zweifle auch am Zweifel.
  8. Überwinde die Neigung zur Traditionsblindheit, indem Du Dich gründlich nach allen Seiten hin informierst, bevor Du eine Entscheidung triffst.
  9. Genieße Dein Leben, denn Dir ist höchstwahrscheinlich nur dieses eine gegeben! Indem Du die Freiheiten genießt, die Du heute besitzt, ehrst Du jene, die in der Vergangenheit im Kampf für diese Freiheiten ihr Leben gelassen haben!
  10. Stelle Dein Leben in den Dienst einer „größeren Sache“, werde Teil der Tradition derer, die die Welt zu einem besseren, lebenswerten Ort machen woll(t)en!

Alain de Bottons Zehn Gebote für Atheisten

  1. Resilienz. Weitermachen, auch wenn alles düster aussieht.
  2. Empathie. Sich in der Vorstellung mit dem Leiden und den einzigartigen Erfahrungen einer anderen Person zu verbinden.
  3. Geduld. Ruhiger und nachsichtiger werden durch realistische Annahmen über den Lauf der Dinge.
  4. Opferbereitschaft. Ohne diese Kunst werden wir weder eine Familie gründen, noch jemanden lieben oder gar den Planten retten können.
  5. Höflichkeit. Sie ist eng verbunden mit der Toleranz, der Fähigkeit, auch neben Menschen zu leben, die vollkommen andere Ansichten haben.
  6. Humor. Wie die Wut entspringt auch der Humor der Enttäuschung, aber er kanalisiert diese Enttäuschung optimal.
  7. Selbsteinsicht. Sich selber kennen bedeutet, nicht andere für die eigenen Probleme und Stimmungen verantwortlich zu machen, zu verstehen, was in einem selbst vorgeht und was außerhalb.
  8. Nachsichtigkeit. Erkennen, dass das Zusammenleben mit anderen nicht funktionieren kann, wenn man nicht bereit ist, Fehler zu verzeihen.
  9. Hoffnung. Pessimismus ist nicht unbedingt tiefgründig, Optimismus nicht unbedingt seicht.
  10. Vertrauen. Vertrauen bedeutet nicht Arrgoanz, es basiert auf dem Bewusstsein, dass das Leben kurz ist und wie wenig wir letztlich verlieren, wenn wir alles riskieren.

5 Zehn Gebote für Atheisten

  1. Du sollst nicht glauben.
  2. Du sollst Dir kein Selbstbildnis machen und es Gott nennen.
  3. Du sollst keine Götter neben Dir dulden.
  4. Du sollst keinen Schöpfer haben.
  5. Du sollst Deine Kinder ehren und sie deshalb mit Gott in Frieden lassen.
  6. Sei gut, auch ohne Gott.
  7. Du sollst keine Götter neben der Wissenschaft haben
  8. Liebe Deinen Nächsten – ohne schlechtes Gewissen.
  9. Du sollst den Sabbat nicht ehren.
  10. Du sollst nicht knien als Schöpfer.

Wer sind die Dummen?

Immer wieder hört man von Menschen, die als „die Dummen“ apostrophiert werden – und man ist gegen diesen Schuldzuweisungsbazillus selbst nicht immun.

Es ist aber schwer zu bestimmen, wer die Dummen sind, denn beim Verstand glaubt jeder, genug zu haben. Also, daher ist man es selbst nicht.

Wenn es aber einfach „die Anderen“ sind, dann kann ich das auch nicht glauben, denn jeder ist für Andere ein Anderer. 

Also, wer sind die Dummen? 
Vielleicht sollte uns dieser Widerspruch dazu anleiten, es einfach zu unterlassen, andere als „dumm“ zu bezeichnen, sonst gerät man noch selber in den Verdacht, einer von „Ihnen“ zu sein.
Es gibt ein Gedicht, vielleicht ist es von Trude Marzig, jedenfalls wurde es von Heinz Conrads vorgetragen, welches diese Einschätzung der anderen am Beispiel eines Autofahrers, der diese in kritischen Situationen als „Trotteln“ apostrophiert, illustriert, Treffend der Schlussreim, in dem der erzählende Beifahrer meint: „amoi mecht i mit an trottel foan“.

The Fool On The Hill

Day after day alone on the hill,

The man with the foolish grin is keeping perfectly still,
But nobody wants to know him,
They can see that he’s just a fool,
And he never gives an answer,
But the fool on the hill
Sees the sun going down,
And the eyes in his head,
See the world spinning around.

Well on his way his head in a cloud,
The man of a thousand voices talking percetly loud
But nobody ever hears him,
Or the sound he appears to make,
And he never seems to notice,
But the fool on the hill
Sees the sun going down,
And the eyes in his head,
See the world spinning around.

Nobody seems to like him
They can tell what he wants to do.
And he never shows his feelings,
Sees the sun going down,
And the eyes in his head,
See the world spinning around.

Tag für Tag, allein auf einem Hügel, 
der Mann mit dem dämlichen Grinsen bleibt völlig still. 
Doch niemand möchte ihn kennen, 
sie sehen, dass er nur ein Dummkopf ist. 
Und er gibt nie eine Antwort, 
doch der Dummkopf auf dem Hügel sieht die Sonne untergehn, 
und seine Augen sehen, wie die Welt sich dreht. 

Rüstigen Schritts, Kopf in einer Wolke, 
der Mann mit den 1000 Stimmen spricht mächtig laut. 
Aber niemand hört ihn jemals, 
oder den Klang, den er scheinbar hervorbringt. 
Und offensichtlich bemerkt er’s nicht, 
doch der Dummkopf auf dem Hügel sieht die Sonne untergehn, 
und seine Augen sehen, wie die Welt sich dreht. 

Und niemand scheint ihn zu mögen, 
sie wissen zu sagen, was er im Sinn hat. 
Und niemals zeigt er seine Gefühle, 
aber der Dummkopf auf dem Hügel sieht die Sonne untergehn, 
und seine Augen sehen, wie die Welt sich dreht. 
Er hört nie auf sie, 
er weiß, dass sie die Idioten sind. 
Sie können ihn nicht leiden. 
Der Dummkopf auf dem Hügel sieht die Sonne untergehn, 
und seine Augen sehen, wie die Welt sich dreht.

Paul McCartney, John Lennon

Imagine

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Imagine there’s no Heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too
Imagine all the people
Living life in peace

You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one
Imagine no possessions
I wonder if you can

No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world
You may say that I’m a dreamer
But I’m not the only one

I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Stell Dir vor, es gibt den Himmel nicht,
Es ist ganz einfach, wenn du’s nur versuchst.
Keine Hölle unter uns,
Über uns nur Himmel.
Stell dir all die Menschen vor
Leben nur für den Tag.

Stell Dir vor, es gibt keine Länder,
Das fällt einem überhaupt nicht schwer.
Nichts wofür man töten oder sterben würde
und auch keine Religionen.
Stell Dir vor, all die Leute
leben ihr Leben in Frieden.

Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
Aber, ich bin nicht der einzige!
Und ich hoffe, eines Tages wirst auch Du einer von uns sein,
Und die ganze Welt wird eins sein.
Stell Dir vor, keinen Besitz zu haben!
Ich frage mich, ob Du das kannst.

Keinen Grund für Habgier oder Hunger,
Eine Bruderschaft der Menschen.
Stell Dir vor, all die Menschen,
Sie teilen sich die Welt, einfach so!
Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer,
Aber, ich bin nicht der einzige!

Und ich hoffe, eines Tages wirst auch Du einer von uns sein,
Und die ganze Welt wird eins sein.

John Lennon

Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus

Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen:

 

  • Intelligenz,
  • Anständigkeit und
  • Nationalsozialismus.


Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. 

Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. 

Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.

Gerhard Bronner, 23.10.1922 – 19.01.2007, Österreichischer Komponist, Musiker und Kabarettist

PS: H.C. ist kein Nazi aber gesinnungsmäßig vertritt er rechtsextremes, nationalsozialistisches Gedankengut. Zitat Wikipedia: „Straches Klage gegen das Nachrichtenmagazin Profil, das ihn in die gesinnungsmäßige Nähe zu rechtsextremistisch/nationalsozialistischen Kreisen gestellt hatte, wurde abgewiesen: Diese Einschätzung sei zulässig, da die Zeitschrift ihm bloß „Nähe“ zu nationalsozialistischem Gedankengut zugeschrieben habe.“

Türken in Wien

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„Was bringt es, das Einwandern?“

  • Städte entstehen und wachsen nur durch Zuwanderung (das war schon immer so; eine Stadt ohne Zuwanderung schrumpft. Bestes Beispiel Wien: 1900/2.4Mio, 1950/1.5Mio, 2010/1.8Mio. Auffallen tun nur die, die ein bisschen anders ausschauen oder sprechen aber im Grunde sind alle Zuagraste, manchen sieht man es an. Städte entstehen und wachsen daher ausschließlich durch Zuwanderung und nicht etwa durch eine hohe Fruchtbarkeit. Die gibt es nur in ärmeren, ländlichen Gegenden.
  • Ein Einwanderer lebt in den meisten Fällen von einem geringen Gehalt, was bedeutet, dass alles Geld, das er bekommt, wieder in den Wirtschaftskreislauf einfließt. 100 Euro, die man in ihn investiert, investiert man in die heimische Wirtschaft. (Wenn ich 100 Euro mehr bekäme, fahre ich dafür mit Rapid ins Ausland und nur ein kleiner Teil bleibt hier, ganz abgesehen von denen, die das Geld sparen.)
  • Wir sind satt, Einwanderer sind hungrig. Hungrig nach Anerkennung, nach einem adäquaten Einkommen und nach vielem anderen. Und diesen Hunger nach Aufstieg braucht eine Wirtschaft dringend. Schau mich an: ich habe ein Wohnung, in einem Möbelhaus oder Elektrogeschäft war ich zuletzt vor 10 Jahren. Ich bin ein „Wirtschaftsschädling“. Ein Türke ist ein willkommener Kunde; er kauft oft Dinge, die wir gar nicht mehr anschauen, weil er sie noch nicht hat.
  • Wenn man einen Arzt fragt, ob man jemanden aus derselben Gegend heiraten soll oder jemanden aus dem Ausland, dann wir der Arzt sagen: um die  Abwehr des Kindes zu verbessern ist das Zweitere besser, weil das Kind aus dem Vorrat verschiedener Abwehrszenarien profitiert; es wird gesünder sein. Ich will damit nicht interkulturelle Heirat favorisieren aber das ist einfach ein Fakt. Darüber hinaus haben diese Kinder die Chance zwei Muttersprachen zu sprechen.
  • Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben bessere Chancen (die Türken haben das Pech, dass sie keine der Sprachen gut beherrschen, das ist aber eine Folge der österreichischen Bildungspolitik). Aber einer dieser Türken, der eine halbwegs ordentliche Ausbildung hat, ist für die österreichische Wirtschaft sehr wichtig.

Wir können uns als Großstadt nicht wünschen, keine  Einwanderer zu haben. Aber wir können steuern, woher diese Einwanderer kommen. Wir hatten beim Einzug in die EU die Chance, erfolgshungrige Menschen aus den umliegenden (Polen, Tschechien, Ungarn) zu motivieren zuzuziehen. Aus Angst (vor was weiß ich) haben unsere Politiker diesen Zuzug verhindert – und die Türken dafür bekommen. Ein guter Tausch? Ich weiß nicht. Ich hätte das anders gelöst. Aber jetzt sind sie da und wir müssen das beste draus machen – Utilitarismus (gefällt mir nicht als Lebenshaltung aber manchmal ist es gut, die Dinge einfach nur witschaftlich zu betrachten) – alles andere ist wirtschaftliches Harakiri.

Sankt Rache

Bei der Sendung „Willkommen Österreich“ wird  oft scharf formuliert – für viele vielleicht zu scharf und daher eben Donnerstag Nacht.


Gestern, 28.1. war es ein Bonmot, das aufgefallen ist: „Sankt Rache“.

„Sankt Rache“ klingt etwa wie „Heiliger Luzifer“ irgendwie paradox;

aber „Angst“ als Name ist auch ein schlechtes Programm, denn „Strache“ heißt so – auf Tschechisch.

Mareks Sperren in der U-Bahn

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Vorwahlzeit ist und Frau Marek sucht dringend Ideen. Sie fand eine solche bei den Technikern, die Durchgangssperren für U-Bahn-Anlagen herstellen und schlägt vor, solche Sperren im Wiener U-Bahn-Netz einzusetzen.


Nach einem Besuch der Pariser Metro oder der Londoner Underground kann ich von solchen (teuren) Ideen nur dringend abraten. In den Pariser Metro-Stationen sind die Sperren eine solche für Touristen und „brave“ Bürger; für jene, die sie umgehen wollen, sind sie aber kein Hindernis. Die Londoner Anlagen sind geschlossener aber sehr personalintensiv. Eine Londoner U-Bahnstation erfordert „gefühlt“ einen 5mal so hohen Personalstand wie in Wien und prüft praktisch jeden Fahrgast (aber auch nicht an allen Linien). Der Wunsch nach einer 100%igen Überprüfung dient mehr den Politikern, die sie vorschlagen als dem Verkehrsbetrieb oder dem Fahrgast. Eine Sperre signalisiert eines: Misstrauen.

Ich fühle mich in Wien sicher, in Paris oder London dagegen nicht, weil mir über die Sperren auf Schritt und Tritt signalisiert wird: „hier gibt es finstre Gesellen, die uns betrügen“.

Bewahren wir uns eine Welt, die sich in positiven Details von abschreckenden Vorbildern unterscheidet. Net no mehr Anglikanismus und net so vü Verfolgungswahn; ein Strache („Angst“ tschechisch nomen est omen) ist genug.

Hexenprozesse als eine Folge der kleinen Eiszeit

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Hexenprozesse, die wir gerne im Mittelalter ansiedeln, fanden eigentlich in der beginnenden Neuzeit, bis hinein ins 18. Jahrhundert statt und verschwanden erst als die weltliche Macht der Kirche die Gerichtsbarkeit entzog.

Die Verfolgung von Hexen und Werwölfen war ein Folge der sehr schlechten Lebensumstände nach dem 30-jährigen Krieg, die durch eine Klimaverschlechterung mit Schneestürmen bis in den Juni einher gingen („Kleine Eiszeit“). Man meinte, dass diese Umstände von Gott so gewollt waren und die Prediger zeigten einen Zusammenhang auf zwischen dem Verhalten der Menschen und den schlechten Lebensumständen und riefen dazu auf, dass die Menschen sich bessern sollten. Statt der Suche nach einer kollektiven Schuld fand man einen Ausweg in der Isolation Einzelner in Verbindung mit uralten Hexenglauben und machte diese Randgruppen für alles verantwortlich.

  • 75% der Verurteilten waren Frauen (Ausnahme: Island, dort waren es nur 25%)
  • man spricht von 60.000 Opfern
  • das Zentrum der Verfolgungen war das lutherisch-calvinistische Gebiet in Deutschland und in der Schweiz
  • die grausamsten Verfolgungen fanden in der Schweiz statt, Calvin selbst sprach sich für diese Prozesse aus. Es gab sogar Prozesse gegen Kinder, die teilweise von Kirchengesandten abgewendet werden konnten
  • die Kirchenführung in Rom war ein Gegner dieser Verfolgungen
  • Italien, Spanien waren von dieser Bewegung eher ausgenommen
  • in Russland fanden überhaupt keine solchen Prozesse statt
  • in Amerika sind nur punktuelle Prozesse bekannt, die aber die europäischen Ausmaße nie erreichen
  • die Prozesse hatten auch (oder vielleicht überwiegend) finanzielle Gründe. Überwiegend waren ältere Frauen, Witwen Opfer der Verfolgung und deren Besitz fiel in die Hände der jeweiligen Gerichtsbarkeit
  • die Opfer hatten keine Chance. Es gab (nur ein Beispiel) die Nadelprobe, bei dem der Beschuldigte mit einer Nadel in ein Muttermal gestochen wurde. Muttermale galten als Symbole des Teufels. Wenn kein Blut hervorquoll, war das ein Beweis, dass der Beschuldigte mit dem Teufel zu tun hatte. Funde zeigen aber, dass die verwendeten Nadeln bei Druck in einer Hülse verschwanden und daher der Nachweis als erbracht galt.
  • im Zuge einer Verurteilung kam es zu einer Lawine weiterer Prozesse, weil das Opfer in der Folter auch andere Personen als Hexen bezeichnete

Erst als man sah, dass sich diese Vergeltungsaktionen alsbald gegen seine eigenen Protagonisten richtete kam es zu einer Wende

In dieser Zeit begann sich auch die Idee der Aufklärung zu verbreiten und vielleicht gerade durch das Ansehen dieser Gräuel, d.h. Aufklärung könnte man als eine Gegenbewegung sehen, die um so stärker war, je intensiver die Hexenverfolgungen waren. Wo keine Hexenverfolgungen stattfanden, gab es auch keinen so deutlichen Anlass zur Aufklärungsbewegung (Amerika, Russland). Wenn man daher heute von anderen Kulturen einen Prozess der Aufklärung verlangt, etwa in der Islamischen Welt, dann verlangt man etwas Unmögliches, denn so, wie es im Europa der Neuzeit war, kann man es nicht auf heutige Verhältnisse umlegen. Es sei denn, die Islamische Welt erkennt den Terrorismus als eine ähnliche Geißel an, wie die Christenwelt die Hexenverfolgungen und entwickelt daraus eine ähnliche Gegenbewegung wie seinerzeit die Aufklärer in Europa.